Wie Sie sich auf die obligatorische digitale Compliance vorbereiten

Im gesamten Europäischen Wirtschaftsraum schreitet die Einführung der elektronischen Rechnungsstellung rasch voran. Was als Digitalisierungsinitiative begann, hat sich zu einer betrieblichen Anforderung entwickelt. Da die Regierungen ihre Bemühungen zur Verringerung der Mehrwertsteuerlücke, zur Stärkung der Steuertransparenz und zur Verbesserung der grenzüberschreitenden Effizienz intensivieren, wird die Einhaltung der Vorschriften für die elektronische Rechnungsstellung von Jahr zu Jahr in immer mehr europäischen Ländern obligatorisch. Wenn Ihr Unternehmen in Europa Business-to-Business-Rechnungen (B2B) ausstellt oder empfängt, ist es jetzt an der Zeit, sich auf die Umstellung auf die digitale Rechnungsstellung vorzubereiten. 


Dieser Artikel behandelt die Frage, was eine konforme elektronische Rechnung (E-Rechnung) ist, wie sich die Vorschriften für die elektronische Rechnungsstellung in den verschiedenen Ländern entwickeln und welche Schritte Unternehmen zur Vorbereitung unternehmen sollten. 


Was elektronische Rechnungsstellung in Europa bedeutet 

Im europäischen regulatorischen Kontext muss eine elektronische Rechnung in einem strukturierten Format ausgestellt, übermittelt und empfangen werden. Dieses strukturierte Format basiert auf EN 16931, dem europäischen semantischen Modell, das in der EU-Richtlinie zur elektronischen Rechnungsstellung definiert ist und die Kerninformationselemente festlegt, die für die grenz- und branchenübergreifende Interoperabilität erforderlich sind. 

Dieser semantische Standard stellt sicher, dass alle elektronischen Rechnungen validiert, von Systemen interpretiert und zuverlässig ausgetauscht werden können. Dies ermöglicht automatisierte Prüfungen, eine genaue Mehrwertsteuerabwicklung und eine effiziente Rechnungsbearbeitung von der Erstellung bis zur Archivierung. 

Diese Standardisierung ist der Schlüssel für die europaweite Umstellung auf Echtzeit-Berichterstattung. Die Länder stützen sich auf genehmigte Syntaxen und gemeinsame Netzwerke wie Pan-European Public Procurement Online (Peppol), um sicherzustellen, dass elektronische Rechnungen sicher zwischen Lieferanten, Käufern und beauftragten Regierungsplattformen übertragen werden können. 

Für Unternehmen bedeutet dies, dass Lösungen für die elektronische Rechnungsstellung vollständig strukturierte Rechnungsdaten generieren, alle relevanten Regeln anwenden, Pflichtfelder validieren und Informationen sicher übertragen müssen. Das Ergebnis? Eine genauere, automatisierte und einheitliche digitale Rechnungsstellungsumgebung. 

Warum Europa die digitale Rechnungsstellung vorantreibt 

Die Beschleunigung wird durch die kombinierten Ziele der Steuerreform, der Betrugsbekämpfung und der Verbesserung der wirtschaftlichen Effizienz vorangetrieben. Regierungen erhalten einen klareren Überblick über steuerpflichtige Transaktionen, wodurch Fehler und Unstimmigkeiten reduziert werden. Die wichtigsten Vorteile der elektronischen Rechnungsstellung werden in allen Branchen zunehmend anerkannt. 

Unternehmen profitieren von den operativen Vorteilen der strukturierten elektronischen Rechnungsstellung: schnellere Bearbeitung, weniger Streitfälle, verbesserte Überprüfbarkeit und optimiertes Cashflow-Management. 

Die strukturierte digitale Rechnungsstellung eliminiert manuelle Schritte und unterstützt die automatisierte Abstimmung, wodurch Unternehmen höhere Erstakzeptanzraten und zuverlässigere Zahlungszyklen erzielen können. Infolgedessen wird die Einhaltung der Vorschriften für die elektronische Rechnungsstellung nicht nur zu einer Anforderung, sondern zu einem Motor für eine stärkere finanzielle Leistung. 

Europäische Anforderungen an die elektronische Rechnungsstellung 

Europäische Anforderungen an die elektronische Rechnungsstellung 

Die europäischen Vorschriften für die elektronische Rechnungsstellung basieren auf EU-weiten Standards, werden jedoch durch nationale Mandate umgesetzt. Die Richtlinie 2014/55/EU, allgemein als EU-Richtlinie zur elektronischen Rechnungsstellung bezeichnet, verpflichtet öffentliche Einrichtungen, Rechnungen zu empfangen und zu verarbeiten, die der Norm EN 16931 entsprechen. Sie hat den privaten Sektor erheblich beeinflusst und viele EU-Länder dazu veranlasst, verbindliche Anforderungen für die elektronische Rechnungsstellung im B2B-Bereich auf der Grundlage derselben technischen Norm EN 16931 einzuführen. Die meisten Mitgliedstaaten haben bereits die elektronische Rechnungsstellung zwischen Unternehmen und Behörden (B2G) eingeführt, und viele sind auf dem Weg zu B2B-Vorschriften, die bis 2028 verbindlich werden sollen. 

Die Länder setzen unterschiedliche Compliance-Modelle ein: 

  • Freigabemodelle. Die Steuerbehörden validieren elektronische Rechnungen, bevor sie den Käufer erreichen. 
  • Kontinuierliche Transaktionskontrollen (CTC). Diese erfordern eine Berichterstattung nahezu in Echtzeit. 
  • Nachprüfungsmodelle. Die Berichterstattung erfolgt nach den Transaktionen. 

Obwohl Europa auf einen harmonisierten Ansatz für die elektronische Rechnungsstellung zusteuert, variiert die Art und Weise, wie die Anforderungen umgesetzt werden, nach wie vor von Land zu Land. Die meisten nationalen Rahmenwerke kombinieren Regierungsplattformen, gemeinsame Interoperabilitätsnetzwerke und lokale Nutzungsregeln, die alle auf der europäischen Norm EN 16931 basieren. Für Unternehmen hängt die Einhaltung der Vorschriften nicht nur vom Verständnis des Rechnungsinhalts ab, sondern auch davon, wie und wo Rechnungen übermittelt werden müssen. 

Zusammen definieren diese Elemente, welche Rechnungsdaten gesendet werden müssen, wie sie strukturiert sein müssen, welches Netzwerk oder welche Plattform verwendet werden muss und welche Geschäftsregeln in jedem Land gelten.

Anstehende Fristen für die elektronische Rechnungsstellung in Europa 

Obwohl die Zeitpläne variieren, treten mehrere große europäische Volkswirtschaften in kritische Umsetzungsphasen ein, beispielsweise Belgien, wo die elektronische Rechnungsstellung über Peppol im Januar 2026 obligatorisch wurde.

Diese Fristen sind besonders relevant für Unternehmen, die B2B-Rechnungen ausstellen oder empfangen:

Anstehende Fristen für die elektronische Rechnungsstellung in Europa 

Informieren Sie sich auf unserer interaktiven Karte über die Termine und Anforderungen für andere europäische Länder. 

Vier Schritte zur Vorbereitung auf die obligatorische elektronische Rechnungsstellung 

Die Einführung der elektronischen Rechnungsstellung in ganz Europa erfordert sowohl technische als auch organisatorische Veränderungen. Um sich effektiv vorzubereiten, benötigen Unternehmen einen strukturierten Ansatz, der die Teams aus den Bereichen Finanzen, IT, Steuern und Beschaffung zusammenbringt und das Risiko von Störungen verringert, wenn die Vorschriften in ganz Europa in Kraft treten.

Hier sind vier einfache Schritte zur Vorbereitung auf die elektronische Rechnungsstellung: 

Bewertung und Korrektur von Rechnungsdaten

Finanz- und Steuerteams sollten den Inhalt von Rechnungen anhand der europäischen Norm EN 16931 und der geltenden nationalen Anforderungen überprüfen. Dazu gehört die Validierung von Lieferanten- und Kundendaten, Umsatzsteuer-Identifikationsnummern, Adressen und Steuersätzen. Lücken in der Datenqualität sind eine Hauptursache für die Ablehnung von Rechnungen, Verzögerungen und Strafen. Daher ist die Korrektur in dieser Phase entscheidend, um sicherzustellen, dass jede elektronische Rechnung erfolgreich verarbeitet werden kann. 

Richten Sie konforme Austauschkanäle ein

Sobald die Daten abgeglichen sind, müssen Unternehmen sicherstellen, dass Rechnungen über die richtigen Kanäle ausgetauscht werden können. Dazu kann die Anbindung an Interoperabilitätsnetzwerke wie Peppol, die Integration in nationale Plattformen oder die gleichzeitige Unterstützung mehrerer Übertragungsmodelle gehören. Sichere APIs, zuverlässige Zustellung und zertifizierte Konnektivität, bereitgestellt von einem erfahrenen E-Invoicing-Anbieter, sind der Schlüssel zur Erfüllung lokaler und grenzüberschreitender Anforderungen. 

Integrieren Sie die Compliance in Ihre Kernsysteme

E-Invoicing funktioniert am besten, wenn die Compliance direkt in die Enterprise-Resource-Planning- (ERP) und Finanzanwendungen eingebettet ist. Dies unterstützt die automatisierte Abstimmung, reduziert manuelle Eingriffe und ermöglicht es Unternehmen, verschiedene Compliance-Modelle in verschiedenen Ländern zu verwalten. 

Implementieren Sie Governance und kontinuierliche Überwachung

Die Einhaltung der Vorschriften für E-Invoicing ist kein einmaliges Projekt. Vorschriften, Schemata und Geschäftsregeln ändern sich ständig und erfordern eine kontinuierliche Pflege. Unternehmen sollten klare Zuständigkeiten in den Bereichen Finanzen, Steuern und IT festlegen, regulatorische Aktualisierungen überwachen und Tests planen. Die Einweisung und Schulung von Lieferanten spielt ebenfalls eine wichtige Rolle bei der Aufrechterhaltung der Compliance, da die Vorschriften immer umfangreicher werden. 

Als Lösung für die Transparenz der Lieferkette erhöht ein RTTVP nicht die Komplexität. Es fungiert als Tool für die Transparenz der Lieferkette, das den Betrieb vereinfacht, die Zuverlässigkeit erhöht und es einfacher macht, die Erwartungen der Kunden zu erfüllen. 

Compliance ist nur der Anfang 

Die Agenda „VAT in the Digital Age” (ViDA) der EU wird die Anforderungen an die digitale Rechnungsstellung und digitale Berichterstattung weiter synchronisieren und ausweiten. 

Unternehmen sollten mit erweiterten B2B-Vorgaben, einer Ausweitung der Echtzeitberichterstattung und einem einheitlicheren Ansatz für die Interoperabilität rechnen. 

Bis 2030 wird die obligatorische elektronische Rechnungsstellung voraussichtlich in der gesamten EU weit verbreitet sein, und Unternehmen mit einer robusten, flexiblen Software für die elektronische Rechnungsstellung werden in der Lage sein, sich schnell an neue Verpflichtungen anzupassen, um die langfristigen Vorteile der elektronischen Rechnungsstellung zu nutzen und Betriebsunterbrechungen zu vermeiden.

Descartes kann Ihnen dabei helfen, eine skalierbare, sichere Umgebung für den Austausch strukturierter elektronischer Rechnungen über mehrere Länder hinweg aufzubauen. Unsere Lösungen für die elektronische Rechnungsstellung validieren Daten anhand europäischer und nationaler Spezifikationen, lassen sich nahtlos in ERP-Systeme integrieren und verbinden sich mit vorgeschriebenen Rahmenwerken und Abwicklungsmodellen wie Peppol oder der polnischen KSeF-Plattform und anderen, sodass Unternehmen die Vorschriften für die elektronische Rechnungsstellung einhalten können. 

Wenn Sie heute mit der Umstellung auf elektronische Rechnungsstellung beginnen oder Ihren aktuellen Lösungsanbieter neu bewerten möchten, wenden Sie sich bitte an einen unserer Experten!

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