Eine nachhaltige Lieferkette wird nicht mehr nur anhand langfristiger Umweltziele geplant. Für viele Unternehmen wird sie zunehmend zu einer praktischen Frage der Transportdaten, der Emissionsberichterstattung, der Zusammenarbeit mit Spediteuren und der operativen Steuerung. Der Transport ist einer der sichtbarsten Bestandteile der Lieferkette und zugleich einer der am schwersten zu messenden, da der Güterverkehr oft viele verschiedene Komponenten umfasst (z. B. Spediteure, Verkehrsträger, Länder, Transportabschnitte). 

Lieferketten werden zunehmend anhand von Belegen bewertet, um die Umweltauswirkungen logistischer Abläufe zu erfassen, und gut vorbereitet sind jene Unternehmen, die Transportplanung, -durchführung und -berichterstattung zu einer ganzheitlichen Sichtweise verknüpfen können. 

In diesem Artikel untersuchen wir die Bedeutung eines Transportmanagementsystems (TMS) in diesem Prozess, da die Software nicht nur dabei hilft, Güter vom Ursprungsort zum Bestimmungsort zu befördern, sondern Unternehmen auch dabei unterstützt, Emissionen zu messen, Transportoptionen zu vergleichen und fundiertere Entscheidungen über den Warentransport zu treffen. 

→ Eine nachhaltige Lieferkette hängt von zuverlässigen Transportdaten ab. 

→ Viele Unternehmen haben Schwierigkeiten, da Emissionsdaten über Tabellenkalkulationen, E-Mails und nicht miteinander verknüpfte Tools verstreut sind. 

→ Der Transport ist einer der am schwierigsten zu messenden Bereiche der Lieferkette, da Fracht häufig über mehrere Spediteure, Verkehrsträger, Länder und Transportabschnitte hinweg befördert wird.     

→ Ein Transportmanagementsystem (TMS) hilft dabei, Daten zu zentralisieren, sodass Unternehmen Emissionen einheitlicher ausweisen können. 

→ Ein TMS kann das umweltorientierte Lieferkettenmanagement unterstützen, indem es Teams dabei hilft, Daten zu vergleichen, damit Unternehmen bessere Entscheidungen treffen können. 

Um Nachhaltigkeit in der Lieferkette zu verstehen, müssen wir zunächst wissen, was die Emissionen der Bereiche Scope 1, Scope 2 und Scope 3 bedeuten: 

  • Scope 1 umfasst Emissionen, die ein Unternehmen direkt verursacht 
  • Scope 2 umfasst indirekte Emissionen aus zugekaufter Energie 
  • Scope 3 umfasst sonstige Emissionen entlang der gesamten Wertschöpfungskette, einschließlich solcher aus der Auslagerung von Produkten, Komponenten und Rohstoffen 

Diese Bereiche sind für Verlader wichtig, denn selbst wenn ein Unternehmen nicht Eigentümer der für den Warentransport genutzten Transportmittel ist, trägt der ökologische Fußabdruck von Lkw, Schiffen oder Flugzeugen dennoch zur Gesamtbilanz der Nachhaltigkeit bei. Das Descartes-Whitepaper „Transition to a more sustainable supply chain“ stellt fest, dass Scope-3-Emissionen oft den Großteil des Emissionsprofils eines Unternehmens ausmachen, wodurch Transportdaten zu einer zentralen Komponente eines glaubwürdigen ökologischen Lieferkettenmanagements werden. 

Auch die regulatorischen Rahmenbedingungen haben sich weiterentwickelt. In Europa beispielsweise verpflichtet die Richtlinie zur Nachhaltigkeitsberichterstattung von Unternehmen (CSRD) der EU die betroffenen Unternehmen dazu, bessere und einheitlichere Nachhaltigkeitsinformationen gemäß den Europäischen Standards zur Nachhaltigkeitsberichterstattung zu melden. Doch selbst wenn Berichtspflichten nicht direkt gelten, kann der Druck dennoch durch die Wertschöpfungskette weitergegeben werden: Im Jahr 2023 wünschten sich 23 % der Verbraucher eine klare Angabe der lieferbezogenen CO₂-Emissionen – eine Zahl, die in den nächsten Jahren voraussichtlich auf 51 % steigen wird. 

Die meisten Unternehmen haben Schwierigkeiten mit dem Thema Nachhaltigkeit, da die zur Messung von Transportemissionen benötigten Daten unübersichtlich, unvollständig oder für die Berichterstattung zu allgemein sind. Emissionsberechnungen erfordern zuverlässige Informationen zu Faktoren wie Abstand, Sendungsgewicht und Verkehrsträger. Darüber hinaus können komplexe multimodale Transporte zusätzliche Daten wie Häfen, Schiffe und Umsteigepunkte erfordern. Sind diese Informationen über E-Mails, Tabellenkalkulationen oder nicht miteinander verbundene Systeme verstreut, wird die Berichterstattung langwierig und schwer zu überprüfen. 

Viele Unternehmen stützen sich nach wie vor auf Durchschnittswerte, und obwohl diese nützlich sein können, wenn bestimmte Daten nicht verfügbar sind, um den eigenen Stand zu erfassen, zeigen sie nicht immer, welche Transportstrecken, Spediteure, Verkehrsträger, Konsolidierungsmöglichkeiten oder Servicelevels die vorteilhaftesten Auswirkungen auf die Umwelt haben. 

Zu den häufigsten Hindernissen zählen: fehlende Daten und Ladungsgewichte, unzureichendes Verständnis der genutzten Verkehrsträger, begrenzte Transparenz über Straße, See, Luft und Schiene sowie das Fehlen einer TMS-Software. Wenn Transportdaten fragmentiert sind, haben Unternehmen weniger Kontrolle über Kosten, Service und Umweltleistung. 

Ein TMS unterstützt die Emissionsberichterstattung, da es bereits eng mit dem Transportbetrieb verzahnt ist und bei der Planung, Durchführung und Nachverfolgung von Frachtbewegungen hilft. Somit kann das TMS zur zentralen Plattform für die Erfassung und Nutzung der Daten werden, die erforderlich sind, um die Umweltauswirkungen dieser Bewegungen zu verstehen. 

Für Verlader kann ein TMS Sendungsdetails wie Gewichte, Routen, Spediteure und Verkehrsträger bündeln. Mit der richtigen Konfiguration und den richtigen Daten kann es standardisiertere Emissionsberechnungen ermöglichen und Berichte erstellen, die sich leichter für das interne Management, die Kundenkommunikation und die Offenlegung gegenüber Aufsichtsbehörden wiederverwenden lassen. 

Darüber hinaus hängt eine nachhaltige Lieferkette oft von der Fähigkeit ab, Transportoptionen zu vergleichen und nicht nur einen einzelnen Verkehrsträger zu verwalten, da jeder Verkehrsträger unterschiedliche Emissionsmerkmale, Kostenstrukturen und Auswirkungen auf den Service aufweist. TMS-Software kann diese Daten verkehrsträgerübergreifend zusammenführen und Teams so einen umfassenderen Überblick über die Abläufe hinter den Kulissen verschaffen. 

Schließlich hilft ein TMS auch bei der Berichterstattung gemäß den Standards des Global Logistics Emissions Council. Dessen Rahmenwerk bietet einen weithin anerkannten Ansatz zur Berechnung und Berichterstattung von Logistikemissionen, den ein TMS durch strukturierte Daten unterstützt und so inkonsistente Berichterstattung vermeidet. 

Ein TMS zu haben bedeutet nicht, dass Ihre Lieferkette automatisch nachhaltig ist. Der wahre Wert liegt in den Systemfunktionen: Kann Ihr TMS die richtigen Daten erfassen? Sich mit den richtigen Partnern vernetzen? Die Entscheidungen unterstützen, die für das Unternehmen entscheidend sind? 

Um diese Fragen zu beantworten, sollten Sie bei der Bewertung von Transportmanagementsystemen die folgenden fünf Bereiche berücksichtigen: 

1. Datenvollständigkeit: Das System sollte die für die Berechnung der Logistikemissionen erforderlichen Daten zu Sendung, Gewicht, Route, Verkehrsträger und Ausführung erfassen. 

2. Multimodale Transparenz: Eine rein straßenbasierte Planung lässt möglicherweise wesentliche Teile des Emissionsbildes außerhalb des Systems, während eine umfassendere Transparenz über mehrere Verkehrsträger hinweg eine bessere Berichterstattung und Abwägungsanalyse ermöglicht. 

3. Anbindung der Spediteure: Nachhaltigkeitsberichte stammen auch von Partnern. Je einfacher es ist, Daten abzurufen, desto leichter lässt sich ein zuverlässiges Gesamtbild gewinnen. 

4. Standardisierte Berechnung: Die Emissionsberichterstattung sollte nach Möglichkeit auf anerkannten Methoden basieren, insbesondere für Unternehmen, die Informationen für externe Stakeholder aufbereiten.  

5. Operative Nutzbarkeit: Berichte sind nützlich, aber die Planer im Tagesgeschäft benötigen zudem praktische Einblicke, und das System sollte Teams dabei helfen, Optionen zu vergleichen und bessere Transportentscheidungen zu treffen, bevor die Fracht transportiert wird. 

Der Aufbau einer nachhaltigeren Lieferkette beginnt mit besserer Transparenz, damit Unternehmen wissen, wie Waren transportiert werden, welche Partner beteiligt sind, welche Verkehrsträger genutzt werden, wie weit Sendungen transportiert werden und welche Emissionen mit diesen Entscheidungen verbunden sind. Sobald diese Transparenz gegeben ist, lässt sich Nachhaltigkeit leichter neben Kosten, Service und Ausfallsicherheit steuern. Teams können erkennen, wo sie hinter den Erwartungen zurückbleiben, wo bessere Daten benötigt werden und wo operative Änderungen eine echte Wirkung erzielen können. Darüber hinaus ist die Berichterstattung zur Nachhaltigkeit umfassender und wesentlich einfacher, wenn sie durch ein TMS unterstützt wird. 

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